Axolotl Overkill


  1. Ø 5
   2017

Axolotl Overkill: Helene Hegemann verfilmt ihren Roman "Axolotl Roadkill", in dem die 16-Jährige Mifti im Berliner Nachtleben versinkt und das richtigen Leben im falschen sucht.

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Filmhandlung und Hintergrund

Axolotl Overkill: Helene Hegemann verfilmt ihren Roman "Axolotl Roadkill", in dem die 16-Jährige Mifti im Berliner Nachtleben versinkt und das richtigen Leben im falschen sucht.

Seit dem Tod ihrer Mutter lebt die 16-Jährige Mifti (Jasna Fritzi Bauer) mit ihren Halbgeschwistern Annika (Laura Tonke) und Edmond (Julius Feldmeier) in einer Berliner WG zusammen. Der Vater ist zwar reich, interessiert sich dafür jedoch nur kaum für Menschen. Schnell gerät Mifti in einen radikalen Studel der Selbstzerstörung. Völlig haltlos driftet die 16-Jährige mit ihrer Freundin Ophelia (Mavie Hörbiger) durchs Berliner Nachtleben, erlebt Drogenexzesse und sexuelle Abenteuer. Dann lernt sie die geheimnisvolle Alice (Arly Jover) kennen.

Jasna Fritzi Bauer als Mifti und Mavie Hörbiger als Ophelia in der Romanverfilmung von Helene Hegemann © Constantin
„Vielleicht sollte ich jetzt mal richtig vergewaltigt werden“, sagt Mifti. Ständig provozierend, lehnt Mifti alle Erwachsenen ab. Die sind ohnehin völlig verzweifelt, glauben an den Weltuntergang oder scheitern bereits daran, sich am Morgen für ein Hemd zu entscheiden. Ehrlich, radikal und wütend versucht Mifti hingegen, ihren eigenen Weg zu finden. Vielleicht kann Alice ihr eine Richtung zeigen. Die ist jedoch selbst in Verbrechen verwirkelt – und bald scheut Mifti auch vor Heroin nicht mehr zurück.

„Axolotl Overkill“ – Hintergründe

Nachdem Helene Hegemann mit ihrem Debütroman „Axolotl Roadkill“ bereits den Skandalbestseller des Jahres 2010 vorgelegt hat, kehrt die 16-Jährige Mifti nun endlich zurück. Verantwortlich für die Verfilmung ist Helene Hegemann selbst, die nicht nur das Drehbuch schrieb, sondern auch Regie führte. Dabei kann die Autorin bereits einige Erfahrung im Film vorweisen – im Jahr 2008 inszenierte sie das Drama „Torpedo„, das sich ebenfalls um eine junge Frau dreht, die nach dem Tod ihrer Mutter nach Halt sucht. Hegemann hat darüber hinaus einen Teil zu dem Kompilations-Film „Deutschland 09“ beigesteuert, in dem sie sich am Grund eines Brunnenschachtes mit Ulrike Meinhof und Susan Sontag trifft.

Die Verfilmung von Helene Hegemanns Romandebüt versammelt ein starkes Ensemble von Schauspielerinnen, die sich innerhalb der letzten Jahre einen Namen gemacht haben. Allen voran natürlich Jasna Fritzi Bauer („Sommerfest„, „Scherbenpark„, „Barbara„) als aufmüpfige Mifti. Kennengelernt haben sich Helene Hegemann und Jasna Fritzi Bauer übrigens im Jahr 2013 stilecht auf einer Party. Schon damals sprachen die beiden über einen Film. Doch erstmal hörte die Hauptdarstellerin nichts von Helene Hegemann, bis diese einige Monate später ein Drehbuch per Facebook schickte – die ersten Szenen für „Axolotl Roadkill“.

Neben Jasna Fritzi Bauer ist „Axolotl Roadkill“ mit einem hervorragenden weiblichen Cast besetzt. Miftis Freundin Ophelia etwa wird von Mavie Hörbiger („Lommbock„, „Bibi & Tina – Voll verhext!„) gespielt, ihre Halbschwester Annika von Laura Tonke („Mängelexemplar„, „Der Staat gegen Fritz Bauer„). In der Rolle der von Alice zeigt sich wiederum Arly Jover („Die Köchin und der Präsident„, „Das Imperium der Wölfe„) als geheimnisvolle Verführerin, die Mifti auf ihrem Abschuss begleitet.

Beim Sundance Filmfestival 2017 gewann „Axolotl Overkill“ den Sonderpreis der Jury für die beste Kameraführung.

„Axolotl Roadkill“ – Plagiatsdebatte

Nachdem Helene Hegemanns Debütroman im Jahr 2010 im Ullstein-Verlag erschien, wurde die radikale Coming-of-Age-Geschichte als eines der wichtigsten Werke der Nullerjahre gelobt. Die damals 18-Jährige wurde im Feuilleton als Nachwuchsgenie bezeichnet. Kurze Zeit darauf meldete sich jedoch Kritik an dem Roman. Wie sich herausstellte, hatte Hegemann verschiedene Passagen sowie ganze Formulierungen von dem Berliner Blogger Airen und dessen Roman „Strobo“ abgeschrieben. Dass „Axolotl Roadkill“ trotzdem für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert wurde, sorgte damals für heftige Debatten im deutschen Feuilleton.

Inzwischen hat Helene Hegemann mit „Jage zwei Tiger“ ihren zweiten Roman vorgelegt, der vom Feuilleton überwiegend positiv aufgenommen wurde.

Darsteller und Crew

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    Schon der Roman "Axolotl Roadkill" von Helene Hegemann, der im Jahr 2010 die Bestsellerlisten stürmte, provozierte und polarisierte das Publikum. Die Verfilmung unter dem Titel AXOLOTL OVERKILL führt die einzigartige und radikale Stimmung dieses Buchs nahtlos auf der großen Leinwand fort und erzählt die Geschichte einer jungen Frau auf der Schwelle zwischen Kindheit, Jugend und Erwachsensein aus genau dieser Lebensperspektive heraus. Denn "normal" kann ja jeder. In die Schule gehen, Freunde haben, mit der Familie klarkommen. Mifti hat keinen Bock auf "normal". Sie ist 16, findet Schule als Ort des Lernens überbewertet, gibt auf Freunde nicht so viel und lebt mit ihren Halbgeschwistern in einer WG in Berlin, mehr oder minder friedlich. Ihren Vater, der mit seiner dauerumnebelten Lebensgefährtin ganz anti-bourgeois in einem halben Abrisshaus wohnt, besucht sie nur selten, ihre Mutter ist tot. Für Mifti ist die Welt irgendwie egal geworden. Ihre Gedanken schweifen immer wieder zurück zu Alice, der faszinierenden und wesentlich älteren Kunst-Dealerin, mit der sie sich vor Monaten in eine leidenschaftliche Affäre stürzte. Doch auch Alice hat Mifti mit sich selbst allein gelassen. Dann lernt sie die nervlich labile Schauspielerin Ophelia kennen und durchstreift mit ihr das Berliner Nachtleben - Partys, Sex und Drogen inklusive. Wie schon in der Vorlage geht Hegemann auch in ihrem Langfilmdebüt ganz konsequent vor und überlässt der Figur der Mifti die Bühne des Geschehens. Die eigentlichen Erwachsenen um Mifti herum sind allesamt nutzlos als Leitfiguren für Mifti, sie sind schwach, unzuverlässig und lassen Mifti in ihrer Suche nach ihrem Platz im Leben allein. Das Ensemble spielt stark, ob nun Laura Tonke und Julius Feldmeier als Halbgeschwister, Mavie Hörbiger als Ophelia oder Bernard Schütz als überkandidelter Intellektuellenvater. Sie alle kreisen jedoch um Mitfti. Mit großer trotziger Kraft, die förmlich von der Leinwand auf den Zuschauer springt und hinter der eine ebenso große Verletzlichkeit schlummert, verkörpert Jasna Fritzi Bauer dieses Mädchen, das schon lange nicht mehr Kind ist, aber noch mehr eine Erwachsene spielt als eine zu sein. Die Sprache, mit der Hegemann Mifti sprechen lässt, ist deftig, unbequem, aber durchweg klug. Auch die Kamera von Manuel Dacosse umkreist Mifti immer wieder, fast schwerelos verfolgt sie sie. So wirken viele der Sequenzen, die nicht immer einer klaren und eindeutigen Erzähldramaturgie folgen, traumhaft und fast schon surreal, man kann sich als Zuschauer nie sicher sein, wo man sich genau in der Handlung befindet. Dazu trägt auch der stimmige Soundtrack bei, bei dem sich moderner Indie-Pop und klassische Stücke mischen. AXOLOTL OVERKILL ist in seiner unverhohlenen Frechheit, seiner Radikalität und seinem Mut zur unkonventionellen Erzählweise ein herausragendes Beispiel für den neuen jungen deutschen Film. Alles außer gewöhnlich. Jurybegründung: Helene Hegemanns Adaption ihres Romans "Axolotl Roadkill" ist in erster Linie deshalb ein solch herausragender Film, weil er absolut kompromisslose Wege findet, um seine Figur mit allen zur Verfügung stehenden filmischen Mitteln zu erzählen. Der Film scheint sich auf erfrischende Art und Weise nicht um Erwartungen und Konventionen zu kümmern, sondern bleibt in Form und Gestaltung radikal in der Filmemacherperspektive. Diese Form des konsequenten Independent-Films ist zur Zeit in Deutschland ein rares Gut: einer, der sich von Konventionen freimacht, ohne gleich mit ihnen brechen zu müssen, der sich jede moralische Freiheit nimmt, ohne gleich verletzen zu müssen, und der bei all dem immer genau weiß, was er erzählen möchte. Wenn man so will, ist AXOLOTL OVERKILL ein Coming-of-Age-Film in dem Sinne, dass die 16jährige Protagonistin Mifti ihren Platz in der Welt sucht. Selten wurde so radikal das Versagen der Erwachsenen erzählt, die einer jungen Generation außer Konsumbesessenheit und Selbstverliebtheit nichts anzubieten hat, an das es anzudocken bzw. an dem es sich zu orientieren lohnte. Krank ist nicht das Mädchen, sondern ihre Gruppe an Bezugspersonen aus der Erwachsenenwelt. Miftis Suche, ihre Verzweiflung und Wut sind fast körperlich spürbar im Film, und auch ihre defekte Wahrnehmung im Wahn der Partynächte überträgt sich direkt auf den Zuschauer durch eine teils nonlineare Erzählweise. Sämtliche filmische Mittel, wie hier und im gesamten Film die herausragende Montage, konzentrieren sich darauf, Ausdruck für Miftis Gemütszustand zu sein. Dieser formalen Konsequenz ist es sicherlich zu verdanken, dass es in keinem Moment des Films um eine Wertung geht, ob irgendwer Drogen nehmen darf oder nicht, ob Mifti verführt wird oder nicht, ob sie irre ist oder nicht - all diese Ambivalenzen bedürfen keiner didaktisch motivierten Klärung, sondern verdichten sich zu einem enorm vielschichtigen und deshalb wunderbar gelungenen Porträt. Und das sprüht dazu vor lebendigen Einfällen: Da wird Jahrzehnte alter Soul-Funk über Clubszenen gelegt, Mifti im Clip-Style als einzig Überlebende eines Weltuntergangs inszeniert (wenn man so will eine Miniatur des gesamten Films), es wird der klassische Gangsterfilm zitiert sowie ohnehin in zahllosen Momenten die verrücktesten Bezüge und Verweise auf künstlerische und philosophische Vorbilder hergestellt. Und mittendrin Jasna Fritzi Bauer als Mifti, Herz und Seele des Films, Taktgeberin und emotionales Zentrum. Ein in jeder Hinsicht gelungener Film. Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

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